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Montag 09:05 Uhr Bayern 2

radioWissen

Die Hugenotten in Erlangen Barocke Idealstadt für Flüchtlinge Die Bamberger Hexenprozesse Unschuldig muss ich sterben Das Kalenderblatt 4.7.1892 Samoa wechselt auf die östliche Seite der Datumsgrenze Von Birgit Magiera . Die Hugenotten in Erlangen - barocke Idealstadt für Flüchtlinge Autorin: Renate Währisch / Regie: Martin Trauner Das Städtchen an der Regnitz, das man damals Erlang hieß, war im 30jährigen Krieg dem Erdboden gleich gemacht worden. Danach wütete die Pest, kaum 500 Einwohner hatten überlebt. Der Markgraf Christian Ernst ließ über Agenten Hugenotten zur Ansiedlung anwerben. Innerhalb von acht Jahren kamen 1.000 Glaubensflüchtlinge. Die französischen Familien wurden von der Obrigkeit zunächst einfach bei den Erlangern einquartiert, doch bald wurde gebaut: Eine Idealstadt sollte entstehen, so wie sie sich die Architekturtheoretiker des Barock ersonnen hatten. Die absolutistische Vorstellung: Mit Geometrie und strikter baulicher Ordnung könne der daselbst wohnende Untertan zum Positiven beeinflusst werden. Ob es daran lag, dass Erlang rasch zur wirtschaftlichen Blüte gelangte? Die Flüchtlinge brachten bis dahin unbekannte Handwerkskünste in die Region. Ihre Fertigkeiten lösten ein paar Jahrzehnte später einen Textilboom aus. Strümpfe, Handschuhe, Gobelins und Hüte aus Erlang wurden zum Exportschlager. Und der Markgraf hat sich mit seiner Idealstadt ein Denkmal gesetzt, das heute den Tourismus ankurbelt. Erstsendung: 23. November 2015 Die Bamberger Hexenprozesse - Unschuldig muss ich sterben Autor: Johannes Munzinger / Regie: Martin Trauner Die Zeit der Hexenprozesse gilt als eines der finstersten Kapitel der europäischen Geschichte. Ein Kapitel, dass nicht, wie man meinen möchte, im Mittelalter spielt, sondern in der frühen Neuzeit. Vom Ende des 16. bis zum Ende des 17. Jahrhunderts wüteten die Flammen der Scheiterhaufen. Mindestens 100.000 Menschen starben in dieser Zeit in Europa als vermeintliche Hexen den Feuertod, fast 1.000 davon alleine im vermeintlich beschaulichen Fürstentum Bamberg. Am Beispiel Bamberg wird anschaulich, welche Ausmaße der Wahn der Hexenverfolgung annehmen konnte. Nicht nur Frauen, auch Männer und Kinder gerieten damals in die schier unaufhaltsame Prozessmaschinerie der Hexenjustiz. Am Ende war keiner mehr sicher, von der einfachen Bauernmagd bis hin zum Bürgermeister der Stadt. Ein teuflisches Geflecht aus einer Klimaveränderung, die man nicht erkennen und verstehen konnte, aus Aberglaube und der Überzeugung, das Richtige zu tun - gebilligt nicht von den Kirchen, sondern von den weltlichen Herrschern der Zeit. Erstsendung: 18. Januar 2016 Moderation: Michael Zametzer Redaktion: Thomas Morawetz

Montag 15:05 Uhr Bayern 2

radioWissen am Nachmittag

Das Tagebuch der Anne Frank (Am 14. Juni 1942 angefangen) Rache für den Holocaust? Vergeltung für Deutschlands Verbrechen Das Kalenderblatt 4.7.1892 Samoa wechselt auf die östliche Seite der Datumsgrenze Von Martin Trauner . Das Tagebuch der Anne Frank Autorin: Brigitte Kohn / Regie: Axel Wostry "Ich würde gerne ein Jahr nach Paris und London gehen, um Sprachen zu lernen und Kunstgeschichte zu studieren.(...) Ich male mir immer schöne Kleider und interessante Menschen aus. Ich will was sehen und was erleben von der Welt!" Es ist die dreizehnjährige Anne Frank, die 1942 diese Zeilen in ihr Tagebuch schreibt. Zwei Jahre später werden sie und ihre Familie von der Gestapo in ihrem Versteck entdeckt und gefangen genommen. Anne Frank stirbt mit 15 Jahren im Konzentrationslager Bergen-Belsen. Die Zukunft, die sie sich erträumt hat, ist ihr von den Nazis genommen worden. Anne Franks Schicksal steht stellvertretend für das von sechs Millionen Juden, die zwischen 1933 - 1945 in den Vernichtungslagern des national-sozialistischen Regimes ums Leben kamen. Die Ängste, welche versteckt lebende Juden in Europa durchstehen mussten, die Qualen und grenzenlose Unmenschlichkeit, die sie in den Konzentrationslagern ertrugen, scheinen uns heute oft unvorstellbar. RadioWissen widmet diesen Thementag den Opfern des Holocaust und möchte dabei vor allem zeigen, wie viele Juden in jener Zeit trotz Verfolgung, Demütigungen und schwerster körperlicher Misshandlungen ihre Hoffnungen, ihren Lebenswillen und ihren Kampfgeist aufrecht erhielten. In der ersten Sendung porträtiert Brigitte Kohn Anne Frank, deren Tagebuch Millionen von Menschen weltweit bewegt hat. Es bewahrt die tiefen Gedanken und Gefühle eines jungen Mädchens, die ihre Umgebung und die Menschen bereits mit dreizehn Jahren kritisch hinterfragte und doch trotz aller Ängste und Bedrängnis nicht ihre grenzenlose Neugier und ihren Optimismus gegenüber dem Leben verlor. Rache für den Holocaust - Vergeltung für Deutschlands Verbrechen Autor: Florian Kummert / Regie: Martin Trauner Es war ein Horrorszenario der Rache, nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, als die Ausmaße des Holocaust mit sechs Millionen jüdischen Ermordeten bekannt wurden: eine Gruppe Schoa-Überlebender plante, das Trinkwasser in mehreren deutschen Großstädten zu vergiften. Dieser "Plan A" hatte nach dem "Auge um Auge"-Prinzip das Ziel, sechs Millionen Deutsche zu töten. "Nakam" nannte sich die Gruppe um ihren Anführer Abba Kovner, nach dem hebräischen Wort für Rache. Sie sahen die jüdische Geschichte als lange Kette an Verfolgungen, Pogromen, Ermordungen mit dem Holocaust als Endpunkt und beschlossen dem endlosen Opfernarrativ entgegenzutreten. Rache wird mit Holocaustüberlebenden selten in Verbindung gebracht, aber es gab diverse, oft im Verborgenen durchgeführte Vergeltungsaktionen, etwa Hinrichtungen von NS-Kriegsverbrechern durch Soldaten der Jewish Brigade und auch die jüdische Kulturgeschichte hat rächende Figuren wie den Golem oder die dämonische Lilith hervorgebracht, die wiederum von Antisemiten für judenfeindliche Verschwörungsmythen umgedeutet werden. Ein Blick auf jüdische Rache in der Geschichte und in der Fantasie. Moderation: Michael Zametzer Redaktion: Matthias Eggert

Montag 19:30 Uhr Deutschlandfunk Kultur

Zeitfragen. Feature

Nur nicht auffallen Über die Schwierigkeit, Menschen mit Lese- und Schreibschwäche zu erreichen Von Susanne Franzmeyer (Wdh. v. 22.03.2021) 6,2 Millionen Menschen in Deutschland können nicht richtig lesen und schreiben. Das hat eine groß angelegte Studie aus dem Jahr 2018 ergeben. Welche Gefahren sich daraus für unsere Gesellschaft ergeben können, diese Menschen nicht mit abzuholen, kann Anke Grotlüschen, Professorin für Lebenslanges Lernen an der Universität Hamburg, anschaulich erklären. Sie hat wesentlich an der Studie mitgewirkt. Aber wie erreicht man die Betroffenen, die ihr Defizit häufig als großes Geheimnis mit sich herumtragen, und die eher zum Rückzug aus dem gesellschaftlichen Leben neigen? Grundbildungsangebote gibt es heute genug - doch die Hemmschwelle, sie zu nutzen, liegt hoch.

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